Piratenpartei

In eigener Sache

Liebe Piraten,

Ich habe einen schweren Fehler gemacht. Im Folgenden will ich ausführen, wie es dazu kam, welche Lehren zu ziehen sind, und wie es trotzdem weiter geht.

Vor nicht ganz zwei Wochen fand das Vorständetreffen statt. Ich war dort, um über die Finanzanträge zu berichten. Am Ende hat jedoch ein anderes Thema den Tag dominiert. Die Reaktion auf die aktuellen Forendiskussionen, die wieder einmal mit sehr harten Bandagen geführt wurde. Die Anwesenden gelangten zur Entscheidung, dagegen eine eigene Erklärung zu stellen.

Diese Erklärung war ein Fehler. Sie hat nicht nur die Probleme sondern auch gleich noch die „Übeltäter“ beim Namen genannt. Damit wurde sie zu einer Art Internetpranger, noch dazu als Selbstjustiz. Die Erklärung wurde aus der gefühlten Ohnmacht geboren. Dabei waren wir gar nicht ohnmächtig. Ich selbst hätte zum Beispiel in meiner Funktion als Präsident der GPK beim Vorstand auf eine effektive Moderation drängen müssen.

Es kam aber noch schlimmer. Als diese erste Erklärung später auf Anordnung des Piratengerichts entfernt wurde, habe ich nicht pausiert und nachgedacht, sondern erst mal Rechtsmittel eingelegt. Mit angelegten Scheuklappen gings dann weiter und bald hab ich die zweite Erklärung verfasst. Diesmal sollte sie unanfechtbar sein, aber dennoch die gewünschte Prangerwirkung entfalten. Statt auf kritische Stimmen zu hören habe ich auch noch ein paar zusätzliche Unterstützer gesammelt.

Aufgrund der zweiten Erklärung hat uns dann ein Betroffener ein Ultimatum gestellt. Also haben wir über das weitere Vorgehen abgestimmt. Hier erfuhr ich den ersten Schimmer von Erkenntnis, als die Voten in einer veritablen Kriegserklärung mündeten. Ein weiterer Schock ereilte mich am nächsten Morgen. Einer von uns hatte Antrag auf Abwahl der Richter gestellt. Da wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Aus unserer falschen Ohnmacht war ein richtiger Internetmob geworden.

So habe ich denn im Verlaufe dieses Tages die Notbremse gezogen und versucht, möglichst alles Unheil ungeschehen zu machen. Zunächst habe ich versucht die Unterstützer zu überzeugen, dass dies nicht der richtige Weg ist. Leider sind nicht alle zu dieser Einsicht gelangt. Zu guter letzt habe ich die zweite Erklärung entfernt. Jetzt bleibt mir nur noch, die volle Verantwortung für diese Zwischenfälle zu übernehmen und an dieser Stelle Besserung zu geloben.

Ich entschuldige mich bei allen Betroffenen, dem Piratengericht und seinen Richtern und bei allen Piraten für diesen Fehler und den Schaden, den Aufwand und die Nerven die ich euch gekostet habe. Ich bedanke mich ausserdem bei allen, die mir den richtigen Weg gewiesen haben und denjenigen mir jetzt helfen, diesen schwierigen Moment zu überstehen.

Jetzt wird es aber Zeit für uns, in die Zukunft zu blicken. Lasst jetzt uns friedlich und fair weiter über politische Inhalte diskutieren. Lasst uns über ein Ernährungspapier diskutieren, das für alle Piraten geniessbar ist!

Fair winds and following seas
Stefan Thöni

1 comment on “In eigener Sache

  1. Alles halb so schlimm. Die Ereignisse, welche auf die zweite Erklärung folgten, sind nicht Dein Problem. Du musst sie Dir nicht atlasmässig aufbürden. Persönlichkeitsverletzungen, wie sie von gewissen Menschen angemahnt wurden, wären imho von keinem zivilen Gericht anerkannt worden. Dass jemand einen Antrag auf Absetzung der Richter gestellt hat, scheint statutenkonform und ist folglich der Abstimmungshoheit der PV überantwortet. Der Konflikt ist m.E. mit dem Rückzug «unserer» Erklärung nicht beendet. Er wird früher oder später wieder aufbrechen, leider.

    mfg, Dominic Zschokke

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